10 Tipps zur Migration auf Windows 10

Ab dem offiziellen Start von Windows 10 geht es IT-Verantwortlichen darum, wie sie ihre bestehende Windows-Landschaft am besten auf die aktuelle Windows-Version umstellen. Aagon hat dazu die wichtigsten Tipps für eine erfolgreiche Migration zusammengestellt.

1. Windows in 32 oder 64 Bit

Für Anwender, die mehr als vier GByte Arbeitsspeicher benötigen (oder in den nächsten Jahren aller Voraussicht nach benötigen werden), sollten sich Unternehmen die 64-Bit-Version näher ansehen und ihre Anwendungen darunter genau testen. Für alle anderen Mitarbeiter dürfte die 32-Bit-Version ausreichen. Doch Vorsicht: Wer zeitgleich Office 2010 einführen möchte, sollte noch die Finger von dem 64-Bit-Office lassen und in so gut wie allen Fällen auf die 32-Bit-Variante setzen. Denn insbesondere bei dem Einsatz von Makros sowie bei Outlook gibt es noch zu viele Inkompatibilitäten.

2. Migrationsstrategie wählen

Die problemloseste Migrationsvariante ist die Einführung von Windows 10 zusammen mit neuen PCs. Wer sich das nicht leisten will, kann auch bestehende Rechner auf ein aktuelles Windows umstellen. Hier empfiehlt sich eine abteilungsweise Migration mit dem Ziel, nach einigen Monaten das alte Betriebssystem komplett im Unternehmen abgelöst zu haben. Ist auch das nicht möglich, lässt sich Windows nur im Bedarfsfall zusammen mit neuer PC-Hardware einführen. Auch wenn dies von den Investitionskosten her die günstigste Variante ist, sollte man dabei unbedingt die höheren Support-Kosten bedenken, die eine parallele Unterstützung von zwei Betriebssystemen zwangsweise mit sich bringt.

3. Inventarisierung ist die Basis

Wer bestehende PCs auf Windows 10 migrieren will, muss zunächst prüfen, ob die vorhandene Hardware für das neue Betriebssystem überhaupt leistungsstark genug ist. Zur Überprüfung mehrerer Rechner gibt es dazu das kostenlose "Assessment and Planning Toolkit" von Microsoft oder den ebenfalls kostenlosen "Windows 10 Check"-Report für ACMP von Aagon. Im Anschluss daran ist es notwendig, auch sämtliche im Unternehmen installierte Software zu inventarisieren. Denn die Migration eines Rechners auf Windows 10 setzt eine Neuinstallation des Betriebssystems und aller Anwendungen voraus. Microsoft selbst bietet hier kein kostenloses Tool zur Softwareinventarisierung an. Wer sich diese Arbeit einfach machen will, greift auf die Inventarisierungsfunktion entsprechender Client Management Systeme zurück.

4. Anwendungen testen

Der Test aller (!) Anwendungen unter Windows 10 ist der wohl wichtigste Teil eines Migrationsprojekts. Dabei sollten Unternehmen auf keinen Fall den Fehler machen, diese Tests nur von ihren Administratoren durchführen zu lassen. Denn diese können zwar beurteilen, ob sich eine Anwendung unter Windows 10 problemlos starten lässt. Doch weiß nur derjenige Anwender, der täglich mit einem Programm arbeitet, ob auch wirklich alle benötigten Funktionen einer Applikation erwartungsgemäß arbeiten. Ebenfalls wichtig zu prüfen sind Abhängigkeiten bestimmter Programme untereinander. Am besten sucht man sich pro Fachbereich mindestens einen repräsentativen Power-User mit einer komplexen Arbeitsplatzumgebung heraus, der übergangsweise einen zweiten Rechner mit Windows 10 und allen seinen Anwendungen zum Praxistest erhält.

5. Serverseite nicht vergessen

Eine Migration auf Windows 10 hat nicht nur Auswirkungen auf lokal installierte Anwendungen, sondern kann auch weitere Systeme im Unternehmen betreffen. So ist es beispielsweise erst mit den Gruppenrichtlinien des Windows Server 2008 oder neuer möglich, die Windows-Firewall von Windows 10 richtig und umfassend zu administrieren. Daher empfiehlt Aagon unter anderem, vor einer Client-Migration auf Windows 10 zumindest alle Domänen-Controller mit dem Active Directory auf den Windows Server 2008 oder neuer zu migrieren.

6. Lokale Daten migrieren

Gibt es auf den Rechnern der Anwender lokale Daten, sollten diese zumindest eine Zeit lang wiederherstellbar sein – selbst wenn die lokale Datenspeicherung im Unternehmen eigentlich untersagt ist. Relativ einfach ist die Sicherung dieser Daten, wenn im Zuge der Migration gleichzeitig die Hardware ausgewechselt wird. In diesem Fall bleiben die ausgemusterten PCs einfach noch ein paar Monate im Lager stehen. Wird jedoch das Betriebssystem bestehender Rechner migriert, ist der Königsweg die Sicherung aller lokalen Daten vor der Migration ins Netz. Das wäre auch ein adäquater Fallback-Plan, doch kann dies schnell sowohl das lokale Netzwerk, als auch die Speichersysteme für die Datensicherung an ihre Belastungsgrenzen bringen. Ist daher weder die eine noch die andere Variante möglich und die im Unternehmen vorhandene Hardware relativ homogen, kann man alternativ die erste zu migrierende Abteilung mit neuer Hardware ausstatten. Deren alten Rechner bleiben dann einige Zeit als Backup stehen, bevor sie auf Windows 10 umgestellt und der nächsten Abteilung übergeben werden. Deren alte Rechner werden dann wieder einige Zeit vorgehalten, bis die nächste Abteilung an der Reihe ist.

7. Benutzereinstellungen mitnehmen

Neben lokalen Daten möchten Benutzer auch ihre Einstellungen unter dem neuen Betriebssystem wiederfinden. Bei deren Übernahme darf man nicht vergessen, dass die Migration auf Windows 10 eine Neuinstallation des Betriebssystems voraussetzt und Windows 10 eine veränderte Verzeichnisstruktur aufweist. Daher sollten beispielsweise die Einträge im Startmenü sowie Verknüpfungen auf dem Desktop nicht migriert werden. Denn diese Einträge wären auf dem Zielrechner doppelt vorhanden und die Hälfte würde nicht funktionieren. Natürlich sollte auch die Migration der Benutzereinstellungen ausgiebig getestet werden.

8. Migrationswerkzeug auswählen

Theoretisch ist die Migration auf Windows 10 allein mit kostenlosen Bordmitteln von Microsoft möglich. In der Praxis wird jedoch nur derjenige ein Projekt mit diesen Werkzeugen angehen, dessen IT-Abteilung über zu viel Personal und zu wenig Arbeit verfügt. Wer mit möglichst wenig personellem und zeitlichem Aufwand möglichst viel erreichen will, greift lieber auf ein Client Management System zurück, das auch die Migration auf Windows 10 unterstützt. Doch Vorsicht: Einige Systeme erlauben nur eine automatische Windows-10-Migration, wenn bereits das alte Windows und alle Anwendungen mit demselben Werkzeug installiert wurden.

9. Helpdesk verstärken

Für die Zeit während der Migration sowie mindestens zwei Monate nach deren Abschluss sollten Unternehmen ihren Helpdesk idealerweise mit zusätzlichem Personal verstärken. Denn oft scheint zunächst alles glatt gelaufen zu sein, und plötzlich treten – etwa zu einem Monatswechsel – an vielen Stellen massive Probleme auf. Diese sind dann nur mit ausreichend personellen Ressourcen befriedigend zu bewältigen. Um den Helpdesk weiter zu entlasten, bietet es sich zudem an, ein oder zwei Poweruser pro Abteilung im Vorfeld intensiver zu schulen. Diese können dann bei kleinen Problemchen ihren Kollegen direkt Hilfestellung leisten und dem Helpdesk den Rücken für größere Fälle freihalten.

10. Projektablauf standardisieren

Den meisten Unternehmen ist es dringend anzuraten, bei der Planung und Durchführung eines Migrationsprojekts auf Windows 10 professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Denn nur ein standardisierter und praxisbewährter Projektablaufplan ermöglicht es, auch eine große Zahl von Rechnern im vorgesehenen Umfang, Zeitrahmen und Budget zu migrieren. Doch Augen auf bei der Dienstleisterwahl: Wer beispielsweise im Vorfeld eine Aufwandsabschätzung ohne eine detaillierte Bestandsaufnahme vornimmt, wird seinen Kunden in den allermeisten Fällen bitter enttäuschen. Trotzdem lassen sich auch bei externer Unterstützung Kosten sparen. So erlauben flexible Dienstleister in ihrem Projektplan etwa die Definition so genannter Abbruchpunkte. Ab dort kann der Kunde das Projekt dann selbst zu Ende führen – wenn er es denn möchte.